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Podcast Kampfkunst im Alltag

Alle Folgen · selbstverteidigung · 20. August 2026 · 13 Min

Wenn es ernst wird. Über Selbstverteidigung und die Realität auf der Straße

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Kampfsport bereitet dich vor, aber die Straße hat keine Regeln, keinen Schiedsrichter und keine Vorwarnung. In dieser Folge spricht Großmeister Dusan Drazic Klartext über realistische Selbstverteidigung.

Es geht um den Unterschied zwischen Sport und Ernstfall, darum warum viele Kampfkünste im echten Moment scheitern, und vor allem um das, was über alles entscheidet: Situationsbewusstsein.

Du bekommst eine klare Reihenfolge für den Ernstfall. Gefahr früh erkennen. Wenn möglich weggehen. Wenn nötig deeskalieren. Und wenn nichts mehr bleibt, sofort und entschlossen handeln, bis du sicher bist. Dazu ehrlich, was Adrenalin mit deinem Körper macht und warum der gefährlichste Moment oft nach dem Angriff kommt.

Wenn du das lernen willst, komm ins kostenlose Probetraining im Martial Arts Center München, Wörthstraße 9 in Haidhausen. Melde dich an unter https://buchung.martial-arts-center.de

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Willkommen bei Kampfkunst im Alltag. Mein Name ist Dušan Dražić.

Heute wird es ernst. Es geht um Selbstverteidigung. Nicht um den schönen Wettkampf im Ring. Es geht um den Moment, in dem es keine Regeln mehr gibt.

Ich fange trotzdem fair an. Kampfsport ist wertvoll. Wer boxt, wer ringt, wer Muay Thai oder gemischte Kampfkunst trainiert, der lernt Dinge, die die meisten Menschen nie lernen. Er lernt, wie es ist, getroffen zu werden. Er lernt, weiterzumachen, wenn die Lunge brennt und der Kopf laut wird. Er lernt, Druck auszuhalten. Das ist echt, und das ist viel wert.

Ich sage sogar. Wenn du noch nie getroffen wurdest, weißt du nicht, wie sich das anfühlt. Und wenn du nicht weißt, wie sich ein Treffer anfühlt, weißt du auch nicht, ob du im Ernstfall handeln kannst. Sparring gibt dir diese Erfahrung. Deshalb gehört Sparring zu unserem Training.

Aber jetzt kommt das große Aber.

Im Ring weißt du, wann es losgeht. Du kennst die Regeln. Du weißt, es kommt nur einer. Du weißt, es gibt einen Schiedsrichter. Du weißt, es gibt eine Runde, eine Pause, ein Ende. Draußen weißt du nichts davon.

Der Sport bereitet dich vor, aber er bleibt ein Sport. Er hat Gewichtsklassen, damit es fair ist. Er hat Regeln, damit keiner ernsthaft verletzt wird. Er hat eine Matte, einen Ringrichter, ein Publikum. Das alles ist gut zum Üben. Auf der Straße ist nichts davon da. Sportstress ist ein guter Anfang. Aber Sportstress ist nicht der Stress ums Überleben.

Ich habe das oft genug gesehen. Ich erinnere mich an einen jungen Mann, technisch ein sehr guter Boxer, sauber, schnell, im Ring eine Freude. Dann haben wir Situationen geübt, wie sie draußen wirklich passieren. Überraschung aus dem Nichts. Mehrere Leute gleichzeitig. Enge Räume, in denen du nicht ausweichen kannst. Und plötzlich hat nichts mehr funktioniert. Er war völlig überfordert. Nicht, weil er schlecht war. Er war im Ring hervorragend. Er war nur nie auf etwas vorbereitet worden, das keine Regeln kennt.

Und noch etwas sehe ich ständig. Menschen, die Aggression mit Wirksamkeit verwechseln. Sie gehen laut und wild nach vorne, mit voller Kraft, und nach zwei, drei Minuten sind sie außer Atem, unkoordiniert, leer. Dann frage ich sie. Und wie lange hältst du das durch, wenn dein Gegner nicht aufgibt. Meistens kommt Schweigen. Aggression ohne Ökonomie ist gefährlich. Für dich selbst.

Reden wir also über die Realität.

Ein echter Angriff ist nicht fair. Er ist nicht sauber. Er ist nicht angekündigt. Er kommt nicht in einem ruhigen Tempo, in dem du in aller Ruhe nachdenken kannst. Er kommt, wann er kommt, und meistens überraschend. Es gibt keinen Gong, keine Ansage, keinen Schiedsrichter, der abbricht, wenn es zu viel wird.

Und du weißt vorher nichts. Du weißt nicht, ob es einer ist oder mehrere. Du weißt nicht, ob jemand eine Waffe hat, ob ein Messer in der Jacke steckt, ob im Dunkeln ein Gegenstand in der Hand liegt. Du weißt nicht, ob der eine, der vor dir steht, allein ist, oder ob zwei andere hinter dir warten. Du weißt nicht einmal, worauf du fällst. Auf Asphalt, auf eine Bordsteinkante, auf Eis, in eine enge Ecke, aus der du nicht mehr rauskommst.

Deshalb lehre ich seit Jahrzehnten einen einfachen Grundsatz. Geh immer vom schlechtesten Fall aus. Nicht aus Angst. Aus Vernunft. Nimm an, dass er bewaffnet sein könnte. Nimm an, dass er nicht allein ist. Nimm an, dass er größer und stärker ist als du. Denn genau so suchen sich Täter ihre Opfer aus.

Ein Täter sucht keinen Gegner. Er sucht ein Opfer. Ein Raubtier greift nicht das stärkste Tier an. Es sucht sich das kleinere, das schwächere, das abgelenkte. Genauso greift ein Täter dich an, wenn du allein bist, wenn du müde bist, wenn du abgelenkt bist, wenn du schwach wirkst. Er will keinen fairen Kampf. Er will ein leichtes Ziel.

Und noch etwas, das fast niemand trainiert. Der Kampf ist nicht vorbei, wenn du denkst, dass er vorbei ist. Auch wenn der andere am Boden liegt, kann er wieder aufstehen. Er kann eine Waffe ziehen. Seine Freunde können kommen. Genau in dem Moment, in dem dein Adrenalin abfällt und du durchatmest, bist du am verwundbarsten.

Warum scheitern jetzt so viele Kampfkünste in genau diesem Moment.

Ich habe darüber schon in den ersten beiden Folgen gesprochen. Eine schöne Vorführung ist kein Beweis. In der Vorführung gibt dir dein Partner den richtigen Angriff, das richtige Tempo, die richtige Reaktion. Es sieht großartig aus. Nur hält es dem echten Druck nicht stand. Technik, die du nie unter Stress geprüft hast, zerbricht im Ernstfall. Und wer nur Techniken sammelt, wie andere Briefmarken sammeln, hat im entscheidenden Moment zu viel zu überlegen und zu wenig, das wirklich sitzt. Unter Stress denkt der eine noch nach. Der andere reagiert schon. Nur einer von beiden kommt heil raus.

Aber jetzt kommt der Teil, der mir am wichtigsten ist. Und den überspringen die meisten, weil er nicht spektakulär aussieht.

Selbstverteidigung beginnt nicht mit dem ersten Schlag. Sie beginnt viel früher. Sie beginnt in dem Moment, in dem dein Körper eine Bedrohung bemerkt, oft bevor dein Kopf sie in Worte fassen kann. Das nennt man Situationsbewusstsein. Und es entscheidet über fast alles.

Ich gebe dir ein Beispiel aus dem ganz normalen Alltag. Du gehst abends nach Hause. Vor dir, halb im Schatten, steht eine Gruppe, die dir nicht geheuer ist. Der Mensch mit Situationsbewusstsein sieht das früh. Er wechselt die Straßenseite, lange bevor er nah dran ist. Kein Drama, keine Szene. Er hat die Situation gelöst, bevor sie eine war. Der Mensch ohne dieses Bewusstsein läuft weiter auf sein Telefon starrend, mitten hinein, und merkt es erst, wenn es zu spät ist.

Das ist der Unterschied. Wenn du dein Umfeld liest, wenn du merkst, dass da etwas nicht stimmt, dann hast du einen Vorteil, den keine Technik der Welt ersetzt. Du hast Zeit. Und Zeit ist im Ernstfall das Wertvollste, was es gibt.

Daraus ergibt sich eine klare Reihenfolge. Ich möchte, dass du sie dir merkst, weil sie dein Leben schützen kann.

Das Erste ist erkennen. Nimm die Gefahr früh wahr. Sei wach, wenn du unterwegs bist. Schau nicht die ganze Zeit auf dein Telefon. Wisse, wer um dich herum ist.

Das Zweite ist weggehen. Die beste Verteidigung ist, gar nicht erst dort zu sein, wo es Ärger gibt. Und wenn du schon dort bist, dann geh. Es ist keine Schwäche, eine Situation zu verlassen. Es ist die klügste Entscheidung, die du treffen kannst.

Das Dritte ist deeskalieren. Wenn du nicht mehr einfach gehen kannst, dann rede. Aber richtig. Keine Gegenprovokation. Kein Zurückpöbeln. Jede Provokation zurück gießt nur Öl ins Feuer. Halte deine Hände offen und sichtbar, nimm eine ruhige, aufrechte Haltung ein, sprich klar und fest. Du strahlst damit aus, dass du kein leichtes Opfer bist. Und du gibst dem anderen einen Weg raus, ohne dass er sein Gesicht verliert. Setz eine klare Grenze. Ein deutliches Stopp. Bleib dabei ruhig in der Stimme, auch wenn innen alles kocht. Und wenn Menschen in der Nähe sind, dann sprich sie direkt an und gib ihnen eine Aufgabe. Du da, im blauen Mantel, ruf die Polizei. Öffentlichkeit ist dein Freund, denn die allermeisten Täter wollen keine Zeugen.

Und dann gibt es die letzte Stufe. Die, über die niemand gern spricht.

Wenn du nicht mehr weggehen kannst und nichts mehr deeskaliert, wenn der Angriff kommt und es um dich, um dein Leben oder um deine Liebsten geht, dann gibt es nur noch eins. Dann handelst du. Sofort, entschlossen und ohne Bedingung. Nicht halb. Nicht zögernd. Nicht schön. So klar und so entschlossen, bis die Gefahr gestoppt ist und du gehen kannst.

Und hier ist der wichtigste Satz, den ich meinen Schülern seit Jahrzehnten mitgebe. Timing schlägt Stärke. Timing schlägt Schnelligkeit. Timing schlägt Technik. Aber Entschlossenheit schlägt alles.

Wer zuerst handelt, zwingt den anderen zu reagieren. Und eine Reaktion ist immer langsamer als eine Handlung. Das heißt nicht, dass du grundlos zuschlägst. Es heißt, dass du nicht zu spät bist. Es geht nicht um Brutalität. Es geht um Notwendigkeit. Du tust, was nötig ist, um sicher zu sein, und keinen Schritt mehr. Das Ziel ist nie, jemanden zu strafen. Das Ziel ist immer, dass du heil da rauskommst.

Deshalb stelle ich im Training am Ende immer dieselben drei Fragen. Bist du sicher. Ist die Situation beendet. Kannst du gehen. Wenn du dreimal ja sagen kannst, hast du gewonnen. Alles andere ist nebensächlich.

Und darauf trainieren wir. Nicht auf die schöne Bewegung. Wir üben, früh zu handeln, damit wir nicht zu spät sind. Wir üben, eine Bewegung des Angreifers zu schneiden, statt sie erst zu blocken und dann getrennt davon zurückzuschlagen. Wir üben, Schutz und Wirkung in einer einzigen Aktion zu verbinden. Und vor allem prüfen wir alles unter Druck, unter Überraschung, unter Erschöpfung. Was das nicht übersteht, fliegt raus.

Jetzt muss ich noch über etwas sprechen, das dir keiner sagt. Über deinen Körper im Ernstfall.

Wenn es wirklich losgeht, passiert etwas mit dir. Deine Brust wird eng. Dein Herz rast. Die Zeit fühlt sich anders an. Dein Blick wird schmal, wie ein Tunnel. Und die Technik, die du hundertmal geübt hast, ist plötzlich schwer abrufbar. Das ist kein Trainingsfehler. Das ist dein Nervensystem unter Todesangst. So sind wir gebaut.

Ich sage meinen Schülern einen kurzen Satz dazu. Angst ist gut. Furcht ist schlecht. Angst ist das Warnsignal, das dich wach macht und deinen Körper bereit. Furcht ist das, was dich einfrieren lässt. In diesem einen Moment, wenn die Angst am höchsten ist, entscheidet sich alles. Entweder du frierst ein, oder du rufst eine Antwort ab, die so oft geübt ist, dass sie auch dann noch da ist. Deshalb trainieren wir überhaupt so viel und so wiederholt. Nicht, damit du im Ernstfall nachdenkst. Damit dein Körper handelt, wenn dein Kopf gerade nichts mehr liefert.

Und weil ich ehrlich bin, sage ich auch das. Der gefährlichste Moment kommt oft nach dem Angriff. Wenn das Adrenalin abfällt, wird dein Körper weich und langsam, genau dann, wenn vielleicht noch Gefahr da ist. Und danach kommt der Kopf. Viele Menschen, die einmal in echter Gewalt waren, tragen das lange mit sich. Das ist normal. Und ja, es gibt auch danach Folgen, mit denen man umgehen muss, körperlich, seelisch und manchmal auch vor dem Gesetz. Das ist ein Thema für sich, und ich bin kein Anwalt. Aber es gehört zur Wahrheit dazu. Deshalb sage ich es noch einmal. Der beste Kampf ist der, den du gar nicht erst führen musst.

Und damit sind wir wieder beim Anfang, und bei dem, warum dieser Podcast Kampfkunst im Alltag heißt.

Situationsbewusstsein ist keine Technik für den Ernstfall allein. Es ist eine Haltung für jeden Tag. Wer wach durch die Welt geht, wer sein Umfeld liest, wer eine Situation früh erkennt und ihr ruhig aus dem Weg geht, der gerät in die meisten Konflikte gar nicht erst hinein. Das Beste, was echtes Training dir gibt, ist nicht der harte Schlag. Es ist die Ruhe und die Sicherheit, mit der du gefährliche Situationen erkennst und vermeidest, lange bevor sie eskalieren.

Genau das trainieren wir. Aus dem, was auf der Straße und in der Ausbildung wirklich passiert, habe ich über die Jahre ein System entwickelt, das ich Real Self Defense nenne, realistische Selbstverteidigung. Kein Stil, den man vorführt. Ein Werkzeug, das funktionieren muss, wenn es darauf ankommt.

Wenn du das lernen willst, richtig lernen willst, dann komm vorbei. Ein Probetraining bei uns im Martial Arts Center in München kostet nichts. Du wirst überrascht sein, wie wenig davon mit Kämpfen zu tun hat. Das meiste ist Wachsein, Haltung und Entscheidungen, die du triffst, lange bevor es gefährlich wird.

Das war Kampfkunst im Alltag. Danke, dass du dabei warst. Bleib wach, bleib ruhig, und pass auf dich auf und auf die, die dir wichtig sind.

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